Reizdarmsyndrom: Symptome, Ursachen & Behandlung durch Ernährung

Reizdarmsyndrom: Symptome, Ursachen & Behandlung durch Ernährung

Reizdarmsyndrom

Von Daniela Skerbinz, BEd Letztes Update: 04.07.2019

Das Reizdarmsyndrom ist eine Erkrankung des Verdauungstrakts, die bei immer mehr Menschen auftritt, aber meist nicht oder falsch diagnostiziert wird.

In diesem Artikel erfährst du, an welchen Symptomen man ein Reizdarmsyndrom erkennt, welche Ursachen es haben kann und wie man es behandeln kann.

Außerdem gehen wir genauer auf die sogenannte FODMAP Ernährung ein. Zu guter Letzt möchte ich dir noch ein paar Strategien näherbringen, die im Rahmen einer Therapie helfen können.

Was ist das Reizdarmsyndrom?

Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom ist ein Begriff, um mehrere Beschwerden zusammenzufassen, die den Verdauungstrakt betreffen.

Man spricht dann von einem Reizdarmsyndrom, wenn folgende drei Kriterien erfüllt sind:

Es bestehen chronische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Diese müssen mindestens dreimal pro Woche über einen Zeitraum von länger als drei Monaten auftreten.

Die Lebensqualität ist dermaßen von den Unannehmlichkeiten beeinträchtigt, dass der / die Betroffene ärztliche Hilfe aufsucht.

Andere Krankheitsbilder, wie zum Beispiel Morbus Crohn, Zöliakie oder Ähnliches konnten durch einen Arzt ausgeschlossen werden.

Es ist sehr wichtig, dass andere Krankheitsbilder ausgeschlossen werden, da viele Krankheiten im Magen-Darm-Trakt ähnliche Symptome mit sich bringen.

Für das Erkennen des Reizdarmsyndroms ist also eine Ausschlussdiagnose von Nöten. Die Diagnose ist auch nicht immer sofort einwandfrei möglich, da sich das Reizdarmsyndrom auf viele verschiedene Arten äußern kann.

Schwierig ist auch das Festlegen der Ursache eines Reizdarmsyndroms. Generell sind diese Störungen des Darmes durch eine sogenannte viszerale Hypersensitivität gekennzeichnet.

Das bedeutet, dass eine Art Filter fehlt, der dazu führt, dass der normale Reiz des Verdauungsvorganges als Schmerz wahrgenommen wird. Betroffene mit Reizdarmsyndrom nehmen also alle Vorgänge in Magen und Darm viel intensiver wahr.

Man weiß, dass diese viszeralen Hypersensitivitäten mit Emotionen verbunden sind. Die Störungen treten häufig in Verbindung mit Stress, massiven Schmerzerfahrungen und Trauma auf. Vor allem Stress kann die Durchlässigkeit, Sensitivität und Bewegungen im Darm stark beeinflussen.

Auch die Zusammensetzung des Mikrobioms, also der Darmflora, könnte mit der Entstehung eines Reizdarms in Verbindung stehen.

Welche Symptome treten bei einem Reizdarmsyndrom auf?

Es gibt einige Symptome, die auf einen Reizdarm hinweisen.

Die am häufigsten vorkommenden Symptome sind:

Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe (können in Ober- und Unterbauch vorkommen)

Blähbauch und Blähungen, verbunden mit Völlegefühl

Durchfall

Verstopfung

Je nachdem, wie sich der Stuhlgang durch das Reizdarmsyndrom verändert, kann man zwischen 3 Typen unterscheiden:

Diarrhoe-Typ: Ständiger Durchfall tritt auf

Obstipations-Typ: Chronische Verstopfung ist das Hauptproblem

Alternierender Typ: Durchfall und Verstopfung treten im Wechsel auf

Psychische Belastung durch den Reizdarm

Die Symptome, mit denen die Betroffenen zu kämpfen haben, sind meist so stark, dass der Alltag und die Lebensqualität stark beeinträchtigt werden.

Vor allem Beschwerden wie anhaltender Durchfall können dazu führen, dass man gar nicht mehr das Haus verlassen möchte.

Betroffene berichten, dass die enormen Gasansammlungen im Darm dazu führen können, dass sie morgens mit Kleidergröße 36 aufstehen und abends mit Kleidergröße 40 in Bett gehen, weil ihr Bauch so aufgebläht ist.

Nicht nur die Symptome an sich bringen psychische Belastungen. Oft werden diese Beschwerden von Ärzten nicht wirklich ernst genommen, da keine klare Erkrankung definiert werden kann. Schließlich liegen rein organisch keine pathologischen Veränderungen vor.

Die PatientInnen werden oft damit abgespeist, dass mit ihrem Darm alles okay wäre. Lösungen für ihre Probleme bekommen sie somit keine geliefert.

Umso wichtiger ist es FachärztInnen oder ErnährungsmedizinerInnen aufzusuchen, die sich mit der Thematik auskennen. Mit einer eindeutigen Bestimmung des Reizdarmsyndroms ist auch das Finden der richtigen Behandlung weit leichter möglich.

Behandlung des Reizdarmsyndroms

Das Reizdarmsyndrom kann sich, wie schon erwähnt, durch vielfältige Beschwerden äußern. Das ist auch der Grund dafür, warum es keine Standardtherapie gibt.

Es gibt für die unterschiedlichen Beschwerden verschiedenste Behandlungen. Allerdings gibt es einige Maßnahmen, die vielen PatientInnen helfen. Hier findest du einige Methoden, die von ExpertInnen häufig angewendet werden.

Führen eines Beschwerdetagebuchs und Anpassen der Ernährung

Durch ein Beschwerdetagebuch kannst du herausfinden, welche Lebensmittel dir gut oder weniger gut bekommen. Im Hinblick auf das Reizdarmsyndrom lautet das Stichwort FODMAP Diät. Was das ist, erfährst du etwas später noch genau.

Stressabbau

Die Symptome treten oft gehäuft bei psychischen Belastungen und Stress auf. Die Lösung könnte daher Stressabbau und / oder psychotherapeutische Hilfe sein.

Gezielter Einsatz von Pro- und Präbiotika

Eine Therapie mit geeigneten Pro- und Präbiotika kann helfen, die Darmflora positiv zu beeinflussen. Denn auch Veränderungen in der Darmflora können eine Ursache für die Entstehung des Reizdarmsyndroms sein. Mit einer entsprechenden Therapie kann dieses Problem eventuell ganz behoben werden.

Gesunde Lebensweise

Eine Basisempfehlung ist immer eine allgemein gesunde Lebensweise. Dies beinhaltet eine angepasste Ernährung, genügend Bewegung, nicht rauchen, wenig Alkohol und ausreichend Schlaf.

Medikamente

Es gibt zwar bis dato keine Medikamente, die die Ursache des Reizdarmsyndroms heilen können, allerdings gibt es verschiedene Mittel, die eine Linderung der Symptome bewirken.

So kann man zum Beispiel bei Bauchkrämpfen krampflösende Mittel verwenden. Zudem gibt es einige Medikamente, die bei Verstopfung helfen sowie auch solche, die Durchfall lindern können.

Reizdarmsyndrom heilen durch die richtige Ernährung (FODMAP Diät)

Wie schon kurz angeschnitten, gibt es eine bestimmte Ernährungsform, welche die Symptome des Reizdarmsyndroms lindern kann. Dabei handelt es sich um die sogenannte FODMAP Diät.

Man geht davon aus, dass Menschen mit Reizdarmsyndrom sogenannte FODMAPs nicht gut vertragen. Bei der FODMAP Diät wird darauf geachtet, dass diese kaum oder gar nicht aufgenommen werden. Durch eine derartige Diät konnten schon viele Betroffene ihre Symptome lindern oder sogar ihr Reizdarmsyndrom heilen.

Was sind FODMAPs überhaupt?

Du fragst dich bestimmt, was FODMAP bedeuten soll.

Hier ist die Antwort darauf:

Fermentierbare

Oligosaccharide

Disaccharide

Monosaccharide

Aand (und)

Polyole

FODMAPs sind bestimmte Kohlenhydrate und Zuckeralkohole, die von Natur aus in vielen Nahrungsmitteln enthalten sind. Grundsätzlich sind sie ganz und gar nicht schädlich, außer man reagiert sehr empfindlich darauf.

Werden FODMAPs im Dünndarm schlecht aufgenommen, das nennt sich auch Malabsorption, gelangen sie in den Dickdarm. Durch die zahlreichen Bakterien im Dickdarm kommt es dann zu Gärungsprozessen.

Durch diese Prozesse entstehen Gase, die den Darm reizen. Es kommt zu einem Blähbauch, Blähungen, Verlangsamung der Verdauung und dadurch zu Schmerzen, Durchfall, Krämpfen und so weiter.

In welcher Form kommen FODMAPs in unserer Ernährung vor?

Du weißt nun schon, dass fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole Auslöser für das Reizdarmsyndrom sind. Nun erfährst du mehr darüber, in welchen Lebensmitteln diese Stoffe enthalten sind.

Oligosaccharidreiche Lebensmittel

Besonders Hülsenfrüchte sind reich an Oligosacchariden. Aber auch andere Gemüsesorten wie Brokkoli, Knoblauch, Kohl, Spargel, Ruccola, Rosenkohl, Zwiebeln und so weiter enthalten Oligosaccharide.

Beim Getreide solltest du gewisse Vertreter wie Roggen, Weizen und Gerste im Auge behalten.

Früchte, die man beim Reizdarmsyndrom hinsichtlich der Oligosaccharide eher meiden sollte, sind Wassermelonen, Nektarinen, Kaki und Pfirsiche.

Lebensmittel mit Disacchariden

Das Disaccharid, welches die Symptome des Reizdarmsyndroms am meisten verstärkt, ist die Laktose, also der Milchzucker. Somit sind sämtliche laktosehaltige Milchprodukte wie Joghurt, Quark, Hüttenkäse, Ricotta und so weiter eher ungünstig.

Laktosearme Käsesorten und Butter bereiten hingegen eher selten Schwierigkeiten beim Reizdarmsyndrom.

Lebensmittel mit Monosacchariden

Monosaccharide, also Einfachzucker, zählen ebenfalls zu den FODMAPs. Vor allem die sogenannte Fruktose, der Fruchtzucker, kann oft Probleme bereiten.

Fruktose ist zum einen natürlich in Obst enthalten. Sorten mit einem hohen Fruktosegehalt wie Äpfel, Birnen, Mangos, Feigen, Melonen und so weiter solltest du bei der FODMAP Diät meiden.

Aber Achtung! Fruktose wird als Süßungsmittel zahlreichen verarbeiteten Lebensmitteln zugesetzt. Achte also auf den Etiketten besonders auf Fruktose-Glucose-Sirup, oder zugesetzten Fruchtzucker.

Durch die gleichzeitige Einnahme von Glukose kann die Fruktoseaufnahme allerdings verbessert werden. Es kommt dann auf das Verhältnis von Glukose zu Fruktose an.

Bei Haushaltszucker oder auch bei Bananen ist das Verhältnis recht günstig. Somit können diese Lebensmittel in kleinen Mengen in der FODMAP Diät eingenommen werden, solange sie verträglich sind.

Zuckeraustauschstoffe (Polyole)

Polyole, also Zuckeralkohole gehören teilweise ebenfalls zu den FODMAPs. Besonders Sorbit, Mannit, Xylit und Maltit fallen in diese Sparte.

Teilweise sind die Polyole natürlich in Lebensmitteln enthalten, wie zum Beispiel in Kirschen, Aprikosen, Pfirsichen, Karfiol, Pilzen, Brombeeren, Wassermelone, Avocado, Dörrobst und so weiter. Ansonsten findet man sie jedoch als Zuckeraustauschstoffe zumeist in kalorienreduzierten, zuckerfreien Lebensmitteln.

Generell wirken große Mengen dieser Stoffe abführend. Das gilt auch für Menschen, die keine Unverträglichkeit haben. Bei Menschen mit Reizdarmsyndrom können schon sehr kleine Mengen Bauchschmerzen und Durchfall bewirken. Die meisten Zuckerersatzstoffe sollten Betroffene also meiden.

Wie funktioniert die FODMAP Diät?

Generell ist es wichtig, dass du weißt, dass eine solche Diät nicht immer Beschwerdefreiheit bedeutet. Es können nicht immer alle Symptome gänzlich behandelt werden. Die FODMAP Diät ist aber momentan eine der besten Methoden, um ein Reizdarmsyndrom zu heilen.

Prinzipiell setzt sich diese Diät aus zwei Phasen zusammen: Aus der Restriktionsphase und der schrittweisen Wiedereinführung der FODMAP-haltigen Lebensmittel.

Die Restriktionsphase: zwischen 6 bis 8 Wochen musst du auf FODMAP-reiche Lebensmittel verzichten.

Bei der schrittweisen Wiedereinführung nach der Zeit ohne FODMAPs kannst du nach und nach anfangen bestimmte FODMAP Lebensmittel wieder in deine Ernährung aufzunehmen. Am besten fängst du mit ein bis zwei Lebensmitteln pro Woche an – immer schön Schritt für Schritt.

Achtung! Führe die FODMAP Diät nur dann durch, wenn du auch wirklich mit den Symptomen des Reizdarms zu kämpfen hast. Außerdem solltest du davor unbedingt mit deinem Arzt sprechen und alle anderen Krankheiten mit ihm gemeinsam ausschließen.

Bei Gesunden könnte es sein, dass sich das Weglassen der FODMAPs negativ auswirkt. Das liegt daran, dass FODMAPs ja auch Nahrung für die Darmbakterien sind und diese somit weniger "zu essen" haben. Forschungen zu diesem Thema sind bereits in Gange.

Wie ein Reizdarmsyndrom dich dick und krank machen kann

Erst in den letzten Jahren wurde bekannt, was für eine enorme Rolle der Darm für unsere Gesundheit spielt.

So weiß man mittlerweile, dass bestimmte Darmbakterien mit dem Entstehen von Übergewicht in Verbindung stehen. Diverse Stämme können außerdem für mehr Heißhunger sorgen und somit eine Gewichtszunahme begünstigen.

Da rund zwei Drittel des menschlichen Immunsystems im Darm sitzen, ist es außerdem möglich, dass ein Reizdarmsyndrom die Entstehung von anderen Krankheiten begünstigt.

Aufgrund dieser Fakten solltest du dich unbedingt um deine Darmgesundheit kümmern. Das gilt auch, wenn du nicht vom Reizdarmsyndrom betroffen bist. Wenn du an einem Reizdarmsyndrom oder anderen Symptomen leidest, solltest du gleichzeitig auch immer einen Arzt aufsuchen und die Vorgangsweise mit ihm absprechen.

Fazit

Das Reizdarmsyndrom ist eine unterschätzte Krankheit, die für die Betroffenen äußerst unangenehm ist. Die Diagnose ist oft schwierig und Symptome werden falsch eingeordnet. Daher ist es wirklich wichtig Spezialisten aufzusuchen, um die richtige Diagnose zu stellen.

Für Betroffene gibt es einige Therapien, die die Ursachen beheben oder zumindest die Symptome so gut es geht bekämpfen können. Erkenntnisse über das Reizdarmsyndrom sind noch recht rar, in diese Richtung wird aber immer mehr geforscht, da viele Menschen davon betroffen sind.

Du siehst, das Reizdarmsyndrom ist eine komplexe Angelegenheit, bei der viele Facetten berücksichtigt werden müssen. Hast du den Verdacht darunter zu leiden, wende dich auf jeden Fall an einen Experten und lasse dich durchchecken.

Ich hoffe ich konnte dir einen Überblick über diese Erkrankung geben. Wenn du noch Fragen dazu hast, oder deine Erfahrungen mit uns teilen möchtest, hinterlasse gerne einen Kommentar.

Viele liebe Grüße und bis bald, Dani

Frau zeigt Symtome eines Reizdarmsyndroms

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