Lipödem: Ursachen, Symptome, Ernährung und Behandlung

Lipödem: Ursachen, Symptome, Ernährung und Behandlung

Lipödem

Von Daniela Skerbinz, BEd
Letztes Update: 08.08.2019

Das Lipödem ist eine Krankheit, von der immer mehr Menschen, vor allem Frauen, betroffen sind. Oft sogar ohne es zu wissen, weil es nicht oder falsch diagnostiziert wurde.

Nicht nur die körperlichen Beschwerden können zur Belastung werden, auch die Psyche kann durch diese Krankheit stark leiden.

In diesem Artikel erfährst du genau, was das Lipödem ist, warum es entsteht und wie man es erkennen kann. Außerdem bekommst du einen Einblick in mögliche Behandlungsmethoden und lernst Strategien kennen, wie man persönlich mit Ernährung und Sport etwas zur Linderung beitragen kann.

Was ist ein Lipödem?

Lipödem

Das Lipödem ist eine Erkrankung des Fettgewebes. Der Begriff Lipödem setzt sich aus den griechischen Worten „lípos“ (Fett) und „oídēma“ (Schwellung) zusammen. Dieser Begriff beschreibt eine chronische und schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die mit Wassereinlagerungen einher geht.

Das Lymphystem ist bei den Betroffenen an sich gesund, durch die krankhafte Vermehrung des Fettgewebes wird das Lymphsystem jedoch überlastet. So kann die anfallende Lymphflüssigkeit nicht richtig abtransportiert werden und staut sich.

Durch die übermäßige Flüssigkeit nimmt die Spannung in den betroffenen Bereichen (meist Beine und Hüfte sowie Arme) zu. Schon eine leichte Berührung der Haut führt zu Druckschmerzen und geringes Anstoßen zu blauen Flecken.

Meist wird ein Lipödem erst spät diagnostiziert. Betroffene müssen sich oft anhören, dass sie einfach abnehmen sollen. So leicht lässt sich ein Lipödem aber nicht beheben, schließlich ist es eine chronische Krankheit und wird von einigen Faktoren beeinflusst.

Wer ist häufig betroffen und warum?

Vorwiegend sind von dieser Erkrankung Frauen betroffen. In der Regel beginnt ein Lipödem in Phasen, bei denen es hormonelle Veränderungen gibt. Beispiele dafür sind die Pubertät, Schwangerschaften oder die Menopause.

Bei Männern tritt diese Krankheit eher sehr selten auf. Die Ursache ist bei männlichen Erkrankten meist eine hormonell wirksame Therapie, wie zum Beispiel Hormontherapien bei Prostatakrebs.

Insgesamt lässt sich leider schwer sagen, wie viele Erkrankte es gibt. Die Dunkelziffer ist vermutlich sehr hoch, da immer noch oft falsche Diagnosen gestellt und das Lipödem nicht erkannt wird.

Ernährung bei Lipödem

Warum entsteht ein Lipödem?

Die Ursachen, warum ein Lipödem entsteht, sind momentan leider noch nicht ausreichend geklärt. Natürlich kann man dadurch, dass es hauptsächlich nach hormonellen Veränderungen auftritt, darauf schließen, dass es einen Zusammenhang gibt. Die genauen Mechanismen, sowie die spezielle Rolle der Hormone und ihrer Rezeptoren, sind noch nicht ausreichend geklärt.

In rund 60 Prozent der Fälle scheint die Genetik einen starken Einfluss zu nehmen. Denn in mehr als der Hälfte der untersuchten Fälle tritt die Krankheit in der Familie mehrere Male auf. Leider sind aber auch hier genauere Zusammenhänge unbekannt.

Symptome des Lipödems

Die Symptome des Lipödems sind vielseitig. Somit wird die Diagnose von ÄrztInnen oft nicht richtig gestellt.

Es gibt allerdings einige Symptome, die stark auf ein Lipödem hinweisen:

Symmetrische, schwammartige Schwellungen, besonders an Hüfte und Gesäß ("Reiterhosen"), aber auch an Beinen und Armen

Schlanker Oberkörper mit unverhältnismäßig stämmigeren Beinen / Hüften

Dicke Arme / Beine, aber keine geschwollenen, dicken Hände oder Füße

In den betroffenen Bereichen starke Flüssigkeitsansammlungen

Druck- und Spannungsschmerzen

Häufiges Auftreten von Blutergüssen

Obwohl eine Gewichtsabnahme erfolgt, bleiben Arme / Beine unverändert

Krankheitsverlauf

Die ersten Anzeichen eines Lipödems zeigen sich meistens nach hormonellen Veränderungen, wie zum Beispiel nach der Pubertät. Im weiteren Zeitverlauf breitet sich die Krankheit immer weiter aus. Zuerst vermehrt sich beispielsweise das Fett an der Hüfte und breitet sich dann über die Oberschenkel und die gesamten Beine bis zum Knöchel aus.

Das Lipödem kann man je nach Schweregrad in vier Stadien einteilen. Außerdem bietet es sich zur besseren Behandlung an, auch zwischen vier verschiedenen Typen zu unterscheiden.

Die vier Stadien des Lipödems

Die vier Stadien des Lipödems beziehen sich auf die Gewebsstruktur und die Textur der Haut. Allerdings wird hierbei der Schmerz nicht berücksichtigt, der auch schon im ersten Stadium sehr unangenehm sein kann.

Sta­dium I: Haut­ober­flä­che ist glatt, Unter­haut­fett ist ver­dickt, Fett­struk­tur ist fein­kno­tig

Sta­dium II: Haut­ober­flä­che ist uneben, Fett­struk­tur ist grob­kno­tig

Sta­dium III: Das Gewebe ist zusätz­lich här­ter, es treten groß­lap­pig defor­mie­rende Fett­lap­pen auf

Sta­dium IV: Zusätzlich starkes Lipolymphödem (Das Lipolymphödem ist eine Mischform aus Lipödem und Lymphödem, das sich entwickeln kann, wenn ein Lipödem zu lange unbehandelt bleibt.)

Unterscheidung der Lipödem Typen

Hier werden nicht die Gewebs- und Hautveränderungen beurteilt, sondern in welchem Bereich diese stattfinden.

Typ 1: Das Unterhautfett vermehrt sich im Bereich von Gesäß und Hüften, die sogenannten "Reiterhosen" treten auf.

Typ 2: Das Lipödem hat sich bereits bis zu den Knien ausgebreitet, vermehrte Bildung von Fett an den Innenseiten der Knie tritt auf.

Typ 3: Die Erkrankung reicht von den Hüften bis zu den Fußknöcheln.

Typ 4: Das Lipödem betrifft zusätzlich die Arme. Die Handgelenke sind nicht betroffen.

Diese Typen sollten bei der Diagnose immer mit den Stadien und mit den auftretenden Schmerzen in Verbindung gebracht werden.

Je nachdem gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten. Wichtig ist auf jeden Fall nach der Diagnose so schnell wie möglich mit der Therapie zu beginnen, um eine weitere Ausbreitung eindämmen zu können und die Beschwerden zu lindern.

Wie kann man ein Lipödem behandeln?

Gleich am Anfang muss gesagt werden, dass man das Lipödem momentan nicht gänzlich heilen kann, da es eine chronische Krankheit ist. Es gibt aber durchaus medizinische und therapeutische Ansätze, die das Lipödem eindämmen und die Beschwerden lindern können.

Sport & Ernährung

Das Lipödem ist meist hormonell und genetisch bedingt und nicht durch Essen und Trinken erworben. Damit sind Ernährung und Sport auch kein wirkliches Heilmittel. Allerdings geht aus zahlreichen Erfahrungswerten hervor, dass ein bestehendes Übergewicht die Erkrankung weiter verschlechtern kann. Also ist es gut in einem gesunden Maße Gewicht zu verlieren.

Weiteres über eine geeignete Ernährung und den richtigen Sport findest du unten im Artikel.

Komplexe Physikalische Entstauungstherapie

Ein breites Therapiefeld beim Lipödem ist die komplexe physikalische Entstauungstherapie, kurz KPE.

Es setzt sich aus folgenden 5 Komponenten zusammen:

1. Manuelle Lymphdrainage

Das ist eine physiotherapeutische Therapieform, welche nur von Fachpersonal durchgeführt werden sollte. Sie hat den Sinn, dass der Abtransport der Lymphe angeregt wird und somit auch die Schwellungen etwas zurückgehen.

2. Kompressionstherapie

Die Kompressionstherapie ist ein sehr wichtiger Baustein in der Behandlung von Lymphödemen. Nach der manuellen Lymphdrainage unterstützt die Kompressionstherapie den angeregten Prozess des Lymphabflusses und verhindert, dass sich erneut weitere Ödeme bilden.

Es gibt verschiedene Anwendungsarten der Kompression. Von Strümpfen, über Verbände, Hosen, Handschuhe und Armstrümpfe reicht die Palette der Kompressionstherapie.

3. Hautpflege

Die Haut der PatientInnen ist oft stark beansprucht, weshalb die Hautpflege wirklich wichtig ist. Die Haut ist anfälliger für Infektionen und Entzündungen, die den gesundheitlichen Zustand weiter verschlechtern können.

Es ist auch so, dass durch die Hilfsmittel in der Kompressionstherapie die Haut gereizt und ausgetrocknet werden kann. Um diesen Phänomenen vorzubeugen, sollte man die Haut morgens und abends sorgfältig mit pH-neutralen Pflegeprodukten säubern und darauf achten, die Feuchtigkeit der Haut zu erhalten.

4. Bewegungsübungen

Gezielte Bewegungsübungen können helfen die Schwellung zu reduzieren. Durch die Muskeltätigkeit kann der Abfluss der Gewebsflüssigkeit vorangetrieben werden.

Je nachdem, welcher Typ man ist und in welchem Stadium man sich befindet, gibt es unterschiedliche Übungen, die von einem Experten individuell zusammengestellt werden sollten. Wichtig ist es auch, immer mit Kompressions-Unterstützung zu arbeiten, vor allem während der Durchführung der Übungen.

5. Selbstmanagement und Aufklärung

Selbstmanagement ist ein enorm wichtiger Bestandteil für den Therapieerfolg. Die PatientInnen müssen gut aufgeklärt sein und die KPE konsequent durchführen.

Die Therapie ist zeitintensiv und muss leider, da die Erkrankung ja chronisch ist, dauerhaft durchgeführt werden, damit der gewünschte Therapieerfolg eintritt und erhalten bleibt. Damit man die Wichtigkeit dieser therapeutischen Maßnahmen auch versteht, muss man dementsprechend gut aufgeklärt und informiert sein.

Medikamente

Spezielle Medikamente gegen Lipödem gibt es keine. Bitte auch Finger weg von Diuretika, also entwässernden Medikamenten. Diese können die Ödembildung sogar begünstigen. Wenn du bereits aufgrund von anderen Erkrankungen, (z.B. Herz- oder Nierenerkrankungen) Medikamente nimmst, die verschriebenen Medikamente auf keinen Fall selbstständig absetzen.

Operationen

Bringen andere Therapieformen absolut keinen Erfolg, können sogenannte Liposuktionen eingesetzt werden. Bei dieses OPs wird das krankhafte Unterhautfettgewebe so gut es geht entfernt.

Operationen sind in weit fortgeschrittenen Stadien durchaus eine Option. Das muss aber von einem Experten ganz genau und im Speziellen betrachtet werden. Operationen bringen schließlich immer auch gewisse Risiken mit sich.

Ernährung bei Lipödem

An sich ist das Lipödem diätresistent, das heißt, es kann durch eine Ernährungsumstellung nicht geheilt werden. Das Fortschreiten der Krankheit kann allerdings mit der richtigen Ernährung gehemmt werden.

Außerdem ist es, wie schon erwähnt, sinnvoll überschüssiges Gewicht abzubauen, da Übergewicht, beziehungsweise Adipositas, negative Auswirkungen auf das Lipödem hat. Durch eine angepasste Ernährung und Bewegung kann das Gewicht gesund und nachhaltig reduziert werden.

Erfahrungsgemäß soll eine isoglykämische Ernährung die Verstärkung des Lipödems im Zaum halten. Ziel der niedrig-glykämischen Ernährung ist es, Blutzucker- und Insulinspitzen zu vermeiden.

Der Hintergrund ist folgender:

Mahlzeiten mit einer hohen glykämischen Last lassen den Blutzuckerspiegel stark ansteigen und kurbeln somit auch die Insulinausschüttung an. Dadurch wird die Fettverbrennung gebremst. Mahlzeiten mit geringer glykämischer Last sättigen hingegen länger, halten den Insulinspiegel auf einem niedrigeren Niveau und der Körper greift eher auf Fettreserven als Energiequelle zurück.

Eine allgemein ausgewogene Ernährung mit vielen Mahlzeiten mit einer niedrigen glykämischen Last ist also eine gute Alternative. Lebensmittel wie Weißbrot, Pommes und Süßigkeiten sollten eher vermieden werden, dafür sollten viel Gemüse, hochwertiges Eiweiß, Hülsenfrüchte, Fisch und mageres Fleisch, sowie gesunde Fette und Vollkornprodukte auf deinem Ernährungsplan stehen.

Eine weitere Alternative wäre die ketogene Ernährung. Bei dieser Ernährungsform werden die Kohlenhydrate auf ein Minimum begrenzt. Durch den Kohlenhydratentzug soll der Körper angeregt werden, Fett nicht weiter zu speichern, sondern als Energielieferant zu nutzen. Diese Diät fordert aber viel Disziplin und ist für Kohlenhydratliebhaber höchstwahrscheinlich wenig bis kaum geeignet.

Sport beim Lipödem

Wie bei der Ernährung ist es auch beim Sport: Er kann das Lipödem nicht heilen, aber die Beschwerden lindern.

Bei Lipödem-Betroffenen ist kein Leistungssport angesagt. Moderates Ganzkörper-Krafttraining, sowie sanftes Ausdauertraining ist am besten geeignet, um die Beschwerden einzudämmen und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Wichtig ist es, beim Sport so gut wie immer unterstützende Kompressionsverbände - oder -kleidung zu tragen. Diese Maßnahme trägt zum verbesserten Flüssigkeitsabtransport bei. Ohne diese Hilfe kann es durch die Bewegungen zu weiteren Flüssigkeitsablagerungen kommen und das genaue Gegenteil erreicht werden.

Manche Sportarten eignen sich besonders gut für die Betroffenen:

Sport im Wasser

Schwimmen, Wassergymnastik, Aqua Jogging und ähnliches ist beim Lipödem besonders vorteilhaft. Die Bewegung im Wasser ist schonend und hat noch dazu einen tollen Nebeneffekt: der Wasserdruck wirkt wie eine Lymphdrainage und fördert den Flüssigkeitsabtransport. Wassersport kann deshalb auch ohne Kompression durchgeführt werden.

Nordic Walking und spazieren gehen

Beim Nordic Walking werden sämtliche Muskelgruppen trainiert, das aber ganz sanft und ohne die Gelenke übermäßig zu beanspruchen. Es ist deshalb sogar für stark übergewichtige Personen geeignet. Auch simples Spazierengehen ist eine gute Bewegungs-Alternative.

Crosstrainer

Der Crosstrainer bietet ein schonendes und effektives Ausdauertraining. Auch hier besteht keine hohe Gelenksbelastung.

Yoga und Pilates

Sportarten wie Yoga und Pilates kräftigen vor allem die tiefe Muskulatur auf eine sanfte Art und Weise. Diese Art von Training hat sich bei Lipödem-Patienten schon oft bewährt.

Sportarten, die viele Erschütterungen mit sich tragen, sind für Lipödemerkrankte nicht gut geeignet. Laufen, Seilspringen, Reiten oder die derzeit beliebte Power Plate sollten also eher vermieden werden.

Nichtsdestotrotz solltest du eine Sportart durchführen, die dir Spaß macht und die du regelmäßig betreiben möchtest. Ausreichende Bewegung ist wichtig für die Gesundheit und hat viele Vorteile.

Fazit

Das Lipödem ist eine Erkrankung, die chronisch und nicht heilbar ist. Allerdings gibt es Mittel und Wege, um es zu beeinflussen.

Durch eine angepasste Ernährung, den richtigen Sport und ausgewählte Therapien kann eine Linderung der Beschwerden erzielt und eine Verschlechterung verhindert werden. Im äußersten Fall können auch Operationen in Erwägung gezogen werden.

Kommen dir die beschriebenen Symptome bekannt vor, würde ich dir empfehlen einen Spezialisten auf diesem Gebiet aufzusuchen. Mittlerweile gibt es einige Ärzte, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben und dir schnellstmöglich eine genaue Diagnose stellen können. So vergeudest du keine Zeit mit etwaigen Fehldiagnosen und kannst sogleich mit der richtigen, auf dich zugeschnittenen Therapie beginnen.

Ich hoffe der Artikel konnte dich etwas in die komplexe Thematik des Lipödems einführen und du kannst daraus einen Nutzen ziehen. Bist du eventuell sogar selbst betroffen? Falls ja: Welche Therapien haben dir geholfen und wie geht es dir mit der Erkrankung?

Wir würden uns sehr über deine Erzählungen in den Kommentaren freuen. Andere Betroffene könnten zudem auch von deinen Erfahrungen profitieren.

Alles liebe, Dani

1 Comment

  1. Uwe sagt:

    Sehr seriöser, informativer Artikel ohne Märchen der Abnehm- und Beautyindustrie! Sehr gut!

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